So bearbeitet Andreas Willscher in seinem Ragtime „My Beethoven“, eine original Orgelkomposition, den Schlusssatz aus Beethovens 9. Symphonie, das Albumblatt „Für Elise“ oder das früher vor allem in Männergesangsvereinen sehr beliebte „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“.
Susanne Kugelmeier hat sich in ihren „Variationen über Danke“ eines der beliebtesten und gefürchtetsten Lieder aus den 1960er-Jahren vorgenommen, dass es immerhin in die damaligen Radiocharts schaffte. Sie stellt diesem in ihrer Orgelbearbeitung u. a. Mozarts „Kleine Nachtmusik“, Bachs „Air“ und eine rauschende Schluss-Toccata zur Seite.
Bachs „Toccata und Fuge in d“ ist einer der wenigen Orgel Gassenhauer an sich. Andere Songs wie „Amazing Grace“ wurden vielfach für das Instrument bearbeitet und das bereits im 19. Jahrhundert. Die Bearbeitung für die Orgel ist ohnehin eine sehr beliebte Gattung: So meinte der französische Organist und Komponist Theodore Dubios wohl, dass der Hochzeitsmarsch seines Kollegen Felix Mendelssohn nicht nur von zwei Klavieren oder einem großen Orchester gespielt werden sollte, sondern eben auch bei kirchlichen Hochzeiten.
Da das Konzert am Erntedankfest stattfindet, darf natürlich eine eingehende Befassung mit dem früher immer zu singenden „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ nicht fehlen.
Die Vier-Orgel der Kirche Zum Guten Hirten wurde im März 2006 in Dienst gestellt. Ihre noch auf der Empore stehende Vorgängerin war zwar über die Jahre immer wieder mit neuen und zusätzlichen Registern versorgt worden, die in jeglicher Hinsicht fragwürdige elektropneumatische Spieltechnik ließ sich hingegen nicht ohne Weiteres in Betrieb halten. Erschwerend kam hinzu, dass der mittelgroße Kirchenraum mit Registern wie „Bombarde“ arg überfordert war. Ein sinnvoller Neuaufbau unter Revision des gesamten Pfeifenmaterials und bei Neukonstruktion der gesamten Spielmechanik hätte ein Vielfaches des damaligen Anschaffungspreises der heutigen Orgel gekostet.
Bei der Umsetzung dieser kleinen Orgel stand ein Verfahren, das eher in größeren Instrumenten Anwendung findet, Pate: Jede Pfeife des Hauptwerks wird mindestens zweimal verwendet. So werden mit den selben Pfeifen die Register Prinzipal 8‘ und Prinzipal 4‘ realisiert. In diesem speziellen Fall wurden dabei alle Pfeifen vom tiefsten bis zum höchsten Ton ausgeführt. Bei anderen Registern wie Flöte und Salicional werden die in der untersten Oktave fehlenden Töne, aus anderen Registern ergänzt. Dieser Trick dürfte selbst erfahrenden Hörerinnen und Hörern nur beim Register Salicional 8‘ ohrenfällig werden. Erreicht wurde so, dass mit rund 750 Pfeifen und 13 tatsächlich gebauten gleich 20 Register klingen. Eingerechnet ein nahezu klassisch aufgebautes Rückpositiv, in das aus der Vorgänger-Orgel die Oboe 8‘ übernommen wurde, die bei geöffnetem Werk (achten Sie auf den schräg nach oben abstehenden Deckel) eher wie eine Trompete anmutet.

